Snake-Style - Fakten und Irrtümer Zuerst einmal der Name "Snake-Style". Er wird häufig im Zusammenhang mit den beiden Begriffen Tiger-Style und Crane-Style erwähnt. Dabei handelt es sich nicht um traditionell überlieferte Begriffe welche über Generationen tradiert wurden, sondern um relativ junge Bezeichnungen, welche helfen gewisse Unterschiede in verschiedenen Ausführungen zu verdeutlichen. Jede Tai Chi Generation hat zur Verbreitung der Kunst des Tai Chi Chuan beigetragen und gegebene, passende Umschreibungen gefunden, um den Schülern verschiedene Unterschiede zu verdeutlichen. So hat z.B. Meister Ip Tai Tak den familieninternen Stil der Yangs den er von Meister Yang Sau Chung erlernte, als Snake-Style bezeichnet. Er bezog sich auf die Bewegungen desjenigen Tieres, das sich mit Hilfe der wirbelsäulennahen Muskulatur gewandt und flink bewegt, und nicht auf Arme und Beine angewiesen ist und alle Energie aus seinen tiefliegenden Muskeln bezieht. Dies charakterisiert einfach das grundlegende Bewegungsprinzip des Schlangenstils, und gleiche Bedeutung fällt den Bezeichnungen Tiger- und Kranichstil zu. Andere mittlerweile gebräuchliche Beschreibungen für verschiedene Ausführungen sind Large-, Medium und Smallframe, welche ebenfalls neuere Umschreibungen für verschiedene Ausführungen der Form sind. "Teacherstyle" und "Studentstyle" sind zwei ältere Bezeichnungen für das, was die Familienmitglieder gelernt haben, und für das was sie nach außen gegeben haben.
Eben falls hört man von Kranichständen, Tigerständen und Schlangenständen, welche sich nicht auf die Ausführung, sondern ausschließlich auf die Standhöhe beziehen. Kranichstände werden z.B. mit hohem, sehr gestrecktem Bein, Tigerstände mit mittel gebeugtem Bein, und Schlangenstände mit maximal gebeugtem Bein in sehr tiefen Positionen ausgeführt. Entsprechend der Höhe sind diese Stände kaum, mäßig und sehr beanspruchend für die Kniegelenke und die Hüften, und daher müssen die tiefen Stände mit großer Vorsicht und Erfahrung angegangen werden, da sich sonst leicht Hüft- oder Knieschmerzen und Schädigungen einstellen können. Die Stände sind unabhängig von den Stilen und charakterisieren wiederum nur ein Prinzip, in diesem Fall das der Standhöhe Alle diese Bezeichnungen sollte man nicht sakrosankt sehen, sondern als bildhafte Hilfsmittel um den jeweiligen Lesern/Hörern eine Idee der zu Grunde liegenden Inhalte zu vermitteln. Leider werden diese Bezeichnungen und auch Übersetzung der chinesischen Klassiker all zu oft als heilig und "unantastbar korrekt" angesehen, wobei einem jeder Übersetzter bestätigen kann wie unglaublich schwierig und komplex die Arbeit ist, eine beliebige Sprache in eine andere zu Übersetzten. Dies gilt vor allem für den Transfer der asiatischen "Bilder/Symbol"-Schrift in westlich wissenschaftliche Schrift. Es braucht daher einen authentischen und offenen Meister des jeweiligen Fachs um einen gesicherten Zugang dazu zu erhalten. Die Knie, die Standhöhe und die Gesundheit Der weitaus häufigste Irrtum bezieht sich auf die Standhöhe des Snake-Style. Allgemein denkt man: "Schlangen...leben am Boden = tiefe Stände => Knieprobleme". Wie oben schon erklärt bezieht sich der "Schlangenstil" auf die Bewegungsart und nicht auf die Laufhöhe. Daher entfallen die häufig angebrauchten Bedenken, das der Schlangenstil schlecht für die Knie sei - dies beruht schlicht auf dem Missverständnis "Schlangenstil = Schlangenstand". Durch den Snake-Style erlernt man den Druck vom Knie hinauf in die Hüfte zu nehmen, das Knie in allen Bewegungen seitlich zu stabilisieren, zu entlasten und am Ausbrechen zu hindern wodurch man entspannt in einem Fuß zu verwurzeln kann und den anderen leert. Dies kräftigt mit der Zeit die gesamte Hüftbeugerregion/das Kwa und hilft dem Übenden den Körper von den Füßen bis hinauf zu den Händen zu verbinden und dadurch eine beeindruckende aber entspannte Kraft zu entfalten - entspannte Kraft, keine starrt Strukturkraft Voll und Leer - 100/0 Stände und Verwurzelung Im Snake-Style versteht man die Prinzipien von Voll und Leer unter Anderem als ein 100/0 Stand. Das gesamte Gewicht ruht auf einem Bein, das andere Bein ist Leer und könnte frei von Schwerpunktverlagerungen bewegt werden. Der Körper komprimiert sich mit Hilfe von Oberkörperrotation und entsprechenden Beuge- und Streckaktionen auf das Standbein, verwurzelt nach unten und streckt sich nach oben und erlangt dadurch ein massives "Rooting" mit der innewohnenden Qualität zu flinken Positionswechseln. Der Oberkörper - ein geschmeidiger Rumpf... Der Oberkörper wird, unterstützt durch entsprechende Vorübungen, in alle Bereiche extrem beweglich und flexibel. Alle Bewegungen werden gleich einer Schlange von dem Wirbelsäulen-Brustkorbkomplex aus gestartet. Durch neigen, beugen, rotieren, komprimieren und expandieren wird die gesamte Muskulatur aktiviert sowie die Durchblutung und der sonstige Flüssigkeitstransport angeregt. Durch die besondere Art der Bewegung stellt sich mit der Zeit automatisch eine Kompressionsatmung ein wodurch die Organe rundum massiert und angeregt werden, und zu einem besseren Stoffwechseltransport befähigt werden. In Kampfsituationen kann man durch diese Art der verbundenen Flexibilität auf kürzestem Raum drehen, wenden, ausweichen oder auch anhaften und vordringen. Geschwindigkeit im Formlauf - verbundene Snake-Style Bewegungen Die generelle Regel ist: "Je langsamer desto besser". Wenn die traditionelle Langform (108 Bilder - je nach Zählweise) 15 bis 18 Minuten dauert, ist das schon sehr gut. Diese scheinbar geringe Zeit, verglichen mit den 30 bis 50 Minuten die andere Varianten dieser Form sich Zeit nehmen, beruht auf der unbedingt verbundenen Bewegungsart im Snake-Style. Alle Bewegungen werden verbunden ausgeführt, der Oberkörper ruht nicht, während z.B. ein Schritt gesetzt wird, oder ein Arm gestreckt wird, sondern ist jederzeit in die Bewegung eingebunden. Wenn sich also der Oberkörper im Schritt mitbewegt, und man gleichzeitig darauf achtet das die Hüfte nicht ausbricht und sich das Knie des Standbeins nicht verdreht so hängt die Langsamkeit des Schrittes von der Haltekraft des Kwa ab. Ist diese Haltekraft gut und nicht verkrampft so läuft man die Form in 18+ Minuten, bei geringerer Kraft gerät man außer Balance und muss den Schritt dementsprechend früher absetzen um nicht in den Schritt hinein zu fallen. Da alle Bewegungen grundlegend der gleichen Geschwindigkeit folgen, und nicht künstlich abgebremst werden, sobald man wieder mit beiden Füßen Bodenkontakt hat, kommt am Anfang ein entsprechend schneller Formlauf zu Stande, welcher sich aber mit der Zeit und entsprechendem Training kontinuierlich verlangsamt.
Selbstverteidigung - Snake-Style im Kampf Meister Ip Bezeichnete den Snake-Style als "...the most martial form of all Yang style Tai Chi Chuan..", den am besten für den Kampf geeigneten Stil der Yang Linie. Jede einzelne Bewegung der Form enthält eine Fülle an sowohl explosiven als auch sehr unscheinbaren und minimalistischen Anwendungen, welche helfen einen Angriff zu neutralisieren, das Zentrum/die Balance des Gegners zu zerstören und den Kampf schlussendlich zu beenden. Dies reicht von einfachen Anwendungsbereichen wie "Nehmen und Brechen" über "Ableiten", "Entwurzeln", "Halten und Festlegen" zu "Schmerzpunkte/Stellen Ergreifen" zu "Druchschlagen", "Fußfegen", "Wegschleudern" und "Zerrütten" und weiter zu einer Vielzahl an praktischen Dingen die einem das Leben im Falle der Selbstverteidigung einfacher machen. Die Snake-Style "Longboxing Form", in Deutschland häufig auch als "Fast-Form" oder "schnelle Faust Form" bekannt, steigert all diese Fertigkeiten noch einmal um ein Beträchtliches |